Vollgas im Frühjahr

Seit ein paar Tagen ist die obstbaumblüte im Gange. Vor allem Birne- und Kirschbäume, sowie der erste Raps sind bei uns auf dem Schurwald reichlich vorhanden. Für die Bienen bedeutet dies nun Nektar im Überfluss. Wir als Imker haben nun die Honigräume aufgesetzt, sprich einen leeren Kasten, welcher nur der Einlagerung von Frühjahrsblütenhonig und Rapshonig dient. Die Bienenvölker wachsen momentan von Tag zu Tag und auch der Schwarmtrieb wird in den nächsten Tagen einsetzen. Als natürlicher Weg der Vermehrung ein ureigener Instinkt der Honigbiene, welcher genau bis zur Sommersonnenwende anhält. Spätestens an diesem Tag erlischt der Schwarmtrieb bei den Bienenvölkern. Die erste Honigernte wird dann in 3-5 Wochen anstehen. Je nach Wetter.

Rapsblüte geht zu Ende

Nach nun gut 3 Wochen geht an unserem Heimatstandort (Vorderer Schurwald, 470m ü. NN) die Rapsblüte zu Ende. Es ist immer wieder faszinierend wie schnell dies gehen kann. Das kalte und regnerische Wetter hat die Rapsblüte über Nacht nahezu schlagartig beendet. Wo am späten Nachmittag noch ein Blütenmeer vorhanden war, ist am frühen Morgen das grün der Rapsstengel- und schoten überwiegend.

In diesem Jahr konnten wir mit der Frühtracht sehr zufrieden sein. Die Kirschbaumblüte nutzten unsere Bienenvölker sehr schön zum Aufbau uns sammelten dann ab der Apfelbaumblüte reichlich Nektar.

Immer wieder werden wir über den Honigertrag eines Bienenvolkes befragt. Bei uns wird es dieses Jahr nach Ende der Frühjahrsblüte sicherlich Völker geben, von denen wir über 35 kg Honig schleudern.

Ich denke, dass wir Ende der kommenden Woche unseren Bio- Frühjahrsblütenhonig und unseren Bio- Rapshonig schleudern werden.

 

Summ mir das Lied vom Tod

Mindestens zwei Mal/ Woche werden wir auf das Bienensterben angesprochen. Den medialen Höhepunkt erreichte das Bienensterben sicherlich vor vier Jahren mit falsch gebeizten Maissaatgut welches das Nervengift Clothianidin enthält.

Doch die Probleme der Bienen sind nach wie vor groß. Neben den Pflanzenschutzmitteln ist mehr den je auch die Intensivierung der Landwirtschaft, vor allem des Maisanbaues ein Problem. Wir haben hier zum Glück, in der kleinstrukturierten Umgebung vor unsrer Haustür noch keine allzu großen Probleme.

Auch die Angst vor der Zulassung von GVO schwebt ständig mit.

Der Film „Summ mir das Lied vom Tod“ begibt sich mit verschiedenen Imkern, Bienenwissenschaftlern und der Chemieindustrie auf die Suche nach möglichen Ursachen für das Bienensterben und beleuchtet auch das Zustandekommen von Grenzwerten und die Zulassungskriterien für Pflanzenschutzmittel.

Ein sehr lehrreicher und immer noch aktueller Film:

 

 

25 Tonnen Honig- 5,5 Mio Euro Bestäubungsleistung

Der Marburger Imkerverein hat zu seinem 150jährigen Jubiläum Buch geführ:

So erzeugten laut Dr. Jörg Klug, dem Pressewart des Vereines die 1.100 Bienenvölker der 165 Mitglieder rund 25 Tonnen Honig im Jahr. Mit rund 22 kg ProVolk und Jahr entspricht dies einer guten Leistung für kleinere Imkereien.

Interessant ist auch die Aussage, dass der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubung von Nutzpflanzen in der Region zwischen Münchhausen  und Wermertshausen (Entfernung: 32 km) rund 5,5 Mio. Euro beträgt.

Mir ist leider keine deutschlandweite Aussage zum Wert der Bestäubungsleistung der Honigbiene bekannt. Hier hatte ich ja schon einmal über die Bestäubungsleistung in den USA und deren jährlichem Wert von 15-20 Mrd. US- Dollar berichtet.

Banker berechnen das Bienensterben

Die niederländische Rabobank hat sich in einer Studie dem seit mehreren Jahren grassierenden Bienensterben angenommen.

Die Banker empfehlen Behörden, Wissenschaftlern, den Agro- Chemiekonzernen, der Lebensmittelindustrie, Landwirten und Imkern die Forschung nach der Ursache des Bienensterbens gemeinsam zu verstärken und die enorme Bestäubungsleistung der Honigbiene nicht als gegeben hinzunehmen. Es werde mehr „Biodiversität in der agrarischen Produktion“ benötigt, sonst könnten sogar einige Nahrungspflanzen auf dieser Erde nicht mehr profitabel angebaut werden.

In Zahlen ausgedrückt sind dies immense Summen.  Da die Bienen für 80-90 Prozent der tierischen Bestäubung verantworten kommen die Analysten der Rabobank auf einen Wert der Bestäubungsleistung  in den USA von 15-20 Mrd. Dollar im Jahr.

Imker – Zahlen und Zukunftsaussichten

Heute habe ich relativ aktuelle Zahlen zur Imkerei in Deutschland bekommen.

Waren es im Jahr 2002 noch ca. 820.000 Bienenvölker, die in Deutschland für die Bestäubung und damit auch für Honig sorgten, sind es mittlerweile noch knapp 700.000 Bienenvölker.

Ungefähr die Hälfte dieser Bienenvölker, nämlich rund 400.000 Bienenvölker, werden von Berufs- und Nebenberufsimkern bewirtschaftet. Der Rest der Bienenvölker wird von „Freizeitimkern“ bewirtschaftet. Darunter sind im Allgemeinen Imker mit weniger als 10 Bienenvölkern zu verstehen.

All diese Bienenvölker zusammen erzeugen ca. 20.000 Tonnen Honig im Jahr. Die genügt bei dem hohen Pro-Kopf-Verzehr in Deutschland, um nur ca. 20% der Honignachfrage zu decken.

Der Deutsche Honig genießt weltweit einen guten Ruf und wird nahezu auschließlich, nämlich zu 90%, von den Imkern direkt vermarktet.

Der Mangel an Honig und Bienenvölkern wirkt sich selbstverständlich auch auf die Bestäubung von Kulturpflanzen aus. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass der Wert der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen das zehnfache der Honigproduktion beträgt. Im landwirtschaftlichen Bereich sind bis zu 80% der Kulturpflanzen auf die Bestäubung von Honigbienen angeweisen.

Bei einem gleichbleibenden Rückgang werden Forschungsergebnissen der Universität Göttingen zufolge bereits im Jahre 2022 die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr ausreichend von Bienen beflogen.

Der angesprochene Rückgang der Bienenvölker in Deutschland hat mehrere Gründe:

Zum einen verursacht die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe einen erheblichen Mehraufwand in der Betriebsweise der Imker, der Freitzeitimkern den Spaß an diesem schönen Hobby verderben kann und bei Berufsimkern die Rentabilität sinken lässt.

Ein weiterer Grund ist in der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft zu suchen. Wo früher blühende Landschaften einen Überfluss an Nektar und Pollen versprachen, finden sich die Bienen heute in grünen Wüsten wieder, in denen keine Wiesenblumen mehr blühen.

Dieser Mangel an Pollen führt zudem zu krankheitsanfälligeren Bienen und stellt den Imker vor immer größere Herausforderungen bezüglich einer guten Standortwahl.

Ohne den hohe Qualitätsstandards und die Natur schätzende Kunden wäre es um die Bienen und die Imkerei in Deutschland schlecht bestellt.  Doch der sensible Kundenkreis, der auf ein gesundes Naturprodukt Wert legt, lehnt die Agro-Gentechnik praktisch komplett ab. Durch die mögliche Verunreinigung von Honig und anderer Bienenprodukte durch Agro- Gentechnik würde vielen Imkern daher ihre Lebensgrundlage genommen werden.

Der Rückgang der Bienenvölker wird sich vermutlich beschleunigen und weder die Wildpflanzen noch unsere Kulturpflanzen werden ausreichend bestäubt werden.

Die Folge wird u.a. ein Preisanstieg im Lebensmittelbereich sein, da hohe Kosten für Bestäubungsleistungen anfallen werden.

Eine Miteinander von Agro- Gentechnik und den naturbelassenen Bienenprodukten ist  leider nicht möglich, beträgt doch der Flugkreis eines Bienenvolkes mindestens 30 Quadratkilometer. Selbst wenn sich die Bienen aus einer bestimmten Region oder einem Gebiet aussperren ließen, wäre dies kaum praktikabel.

Eine Obstplantage neben einem Feld mit Agro- Gentechnik ist für Imker kaum interessant. Dadurch geht die Bestäubungsleistung zurück.Für den Obstbauern bedeutet dies eine geringere Ernte, der Imker muss seine Bienen woanders aufstellen und die Erträge des Landwirtes sind, wenn man Zeitungsberichten glauben schenkt, langfristig kaum höher.

Mir als gelerntem Landwirt haben sich die Vorteile der Agro-Gentechnik auch nach jahrelangen Diskussionen noch nicht erschlossen. Im Gegenteil: ich lese zunehmend von Negativbeispielen in Indien, Afrika, in den USA und Kanada. Hier wurden die angeblichen positiven Eigenschaften schnell von den Nachteilen verdrängt.

Kopfschmerzen bereitet mir, wie sich große Saatgutunternehmen mittels Gentechnik und Patenten eine sehr starke Bindung der Landwirte und damit ein großes Mitspracherecht in der Grundversorgung mit Lebensmitteln verschaffen.