Bienenhunger

Den Bienen machen nicht nur die Varroamilbe und die Pestizide zu schaffen, sondern auch das viele Grün der intensiven Landwirtschaft. Denn wo es grünt, da es nicht blüht.

Und gerade eine Vielzahl von Insekten, darunter auch die Honigbiene, benötigen die Blüten für Nektar und Pollen. In vielen Landstrichen Deutschlands finden die Bienen nach der Rapsblüte kaum noch blühende Pflanzen. Ein Nahrungsmangel der Bienenvölker ist die Folge. Und geschwächte Bienenvölker sind anfälliger für Krankheiten und Umweltverschmutzung.

Ein Fehler in der Agrarsubvention? Im Jahr 2008 wurden die Subventionen für Brachflächen abgeschafft. 400.000 Hektar der für Bienen und andere Insekten wahren Schlaraffenländer verschwanden schlagartig.

Ein Umschwenken scheint abermals in der Diskussion zu sein. Die Wiedereinführung einer Prämie für Brachflächen ab 2014 scheint nicht ganz ausgeschlossen.  Aber wird sie auch gegen die Widerstände der Bauern eingeführt?

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des WDR.

Ein Hörbuch zum Bienensterben

Ich möchte Ihnen heute einen sehr aufschlussreichen und gut recherchierten Radiobeitrag des SWR zum Thema Bienensterben ans Herz legen. In dem knapp einer Stunde langen Beitrag werden die entscheidende Rolle der Honigbiene für die Lebensmittelversorgung dargestellt und mögliche Gründe für das weltweite Bienensterben aufgezeigt.

Vo der Varroamilbe über die Fruchtfolge der Landwirtschaft bis zum Pflanzenschutz werden verschiedene Gefahren und deren Folgen dargestellt.

Zum lohnenswerten Beitrag auf der Seite des SWR 2:  “Stress im Stock- Das rätselhafte Sterben der Honigbiene”.

Das Manuskript des Radiobeitrages finden Sie hier.

Imker – Zahlen und Zukunftsaussichten

Heute habe ich relativ aktuelle Zahlen zur Imkerei in Deutschland bekommen.

Waren es im Jahr 2002 noch ca. 820.000 Bienenvölker, die in Deutschland für die Bestäubung und damit auch für Honig sorgten, sind es mittlerweile noch knapp 700.000 Bienenvölker.

Ungefähr die Hälfte dieser Bienenvölker, nämlich rund 400.000 Bienenvölker, werden von Berufs- und Nebenberufsimkern bewirtschaftet. Der Rest der Bienenvölker wird von “Freizeitimkern” bewirtschaftet. Darunter sind im Allgemeinen Imker mit weniger als 10 Bienenvölkern zu verstehen.

All diese Bienenvölker zusammen erzeugen ca. 20.000 Tonnen Honig im Jahr. Die genügt bei dem hohen Pro-Kopf-Verzehr in Deutschland, um nur ca. 20% der Honignachfrage zu decken.

Der Deutsche Honig genießt weltweit einen guten Ruf und wird nahezu auschließlich, nämlich zu 90%, von den Imkern direkt vermarktet.

Der Mangel an Honig und Bienenvölkern wirkt sich selbstverständlich auch auf die Bestäubung von Kulturpflanzen aus. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass der Wert der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen das zehnfache der Honigproduktion beträgt. Im landwirtschaftlichen Bereich sind bis zu 80% der Kulturpflanzen auf die Bestäubung von Honigbienen angeweisen.

Bei einem gleichbleibenden Rückgang werden Forschungsergebnissen der Universität Göttingen zufolge bereits im Jahre 2022 die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr ausreichend von Bienen beflogen.

Der angesprochene Rückgang der Bienenvölker in Deutschland hat mehrere Gründe:

Zum einen verursacht die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe einen erheblichen Mehraufwand in der Betriebsweise der Imker, der Freitzeitimkern den Spaß an diesem schönen Hobby verderben kann und bei Berufsimkern die Rentabilität sinken lässt.

Ein weiterer Grund ist in der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft zu suchen. Wo früher blühende Landschaften einen Überfluss an Nektar und Pollen versprachen, finden sich die Bienen heute in grünen Wüsten wieder, in denen keine Wiesenblumen mehr blühen.

Dieser Mangel an Pollen führt zudem zu krankheitsanfälligeren Bienen und stellt den Imker vor immer größere Herausforderungen bezüglich einer guten Standortwahl.

Ohne den hohe Qualitätsstandards und die Natur schätzende Kunden wäre es um die Bienen und die Imkerei in Deutschland schlecht bestellt.  Doch der sensible Kundenkreis, der auf ein gesundes Naturprodukt Wert legt, lehnt die Agro-Gentechnik praktisch komplett ab. Durch die mögliche Verunreinigung von Honig und anderer Bienenprodukte durch Agro- Gentechnik würde vielen Imkern daher ihre Lebensgrundlage genommen werden.

Der Rückgang der Bienenvölker wird sich vermutlich beschleunigen und weder die Wildpflanzen noch unsere Kulturpflanzen werden ausreichend bestäubt werden.

Die Folge wird u.a. ein Preisanstieg im Lebensmittelbereich sein, da hohe Kosten für Bestäubungsleistungen anfallen werden.

Eine Miteinander von Agro- Gentechnik und den naturbelassenen Bienenprodukten ist  leider nicht möglich, beträgt doch der Flugkreis eines Bienenvolkes mindestens 30 Quadratkilometer. Selbst wenn sich die Bienen aus einer bestimmten Region oder einem Gebiet aussperren ließen, wäre dies kaum praktikabel.

Eine Obstplantage neben einem Feld mit Agro- Gentechnik ist für Imker kaum interessant. Dadurch geht die Bestäubungsleistung zurück.Für den Obstbauern bedeutet dies eine geringere Ernte, der Imker muss seine Bienen woanders aufstellen und die Erträge des Landwirtes sind, wenn man Zeitungsberichten glauben schenkt, langfristig kaum höher.

Mir als gelerntem Landwirt haben sich die Vorteile der Agro-Gentechnik auch nach jahrelangen Diskussionen noch nicht erschlossen. Im Gegenteil: ich lese zunehmend von Negativbeispielen in Indien, Afrika, in den USA und Kanada. Hier wurden die angeblichen positiven Eigenschaften schnell von den Nachteilen verdrängt.

Kopfschmerzen bereitet mir, wie sich große Saatgutunternehmen mittels Gentechnik und Patenten eine sehr starke Bindung der Landwirte und damit ein großes Mitspracherecht in der Grundversorgung mit Lebensmitteln verschaffen.

Womit wir unsere Bienen behandeln

Manche meiner Imkerkollegen müssen sich hier um eine klare Antwort drücke, oder auch chemische Produkte erwähnen.
Wir hingegen haben keine Probleme unsere Behandlungsmittel offenzulegen. Unsere einzigste Behandlung betrifft die Varroamilbe im Sommer nach der letzten Honigernte, sowie im Herbst/ Winter- also lange vor der nächsten Honigernte.
Wir verwenden hierzu ausschließlich die honigeigenen Stoffe Oxal- und Ameisensäure.

Ergebnise des Deutschen Bienenmonitoring

Im Jahr 2004 wurde das deutsche Bienenmonitoring als Reaktion auf die dramatischen Bienenverluste gestartet.

Durch das Bienenmonitoring sollen eine Vielzahl von Daten gewonnen werden, die uns helfen die Ursachen des Bienensterbens besser zu verstehen. Mittlerweile sind über 1.300 Bienenvölker in diesem Monitoring beteiligt und es werden umfangreiche Untersuchungen an Honig,- Bienen,- und Pollenproben vorgenommen.

Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Varroamilbe ein großes Problem darstellt, aber bei richtiger Behandlung der Bienenvölker beherrschbar ist.Eine weitere Problematik darf hier jedoch auch nicht verschwiegen werden, der zunehmende Trend in der Landwirtschaft zur Flächenintensivierung schränkt das Nahrungsangebot der Honigbiene zum Teil erheblich ein. Zusammen mit den Pflanzenschutzmitteln werden wohl die Robustheit der Honigbiene stark eingeschränckt.

Nahezu erschreckend fand ich die Zunahme des giftigen und bienengefährlichen Wirkstoffes Methiocarb in Bienenbrotproben. Dieser Wirkstoff war zusammen mit Clothianidin im Jahr 2008 für das große Bienensterben in Württemberg und Baden verantwortlich. Nach diesem Bienensterben wurden strengere Auflagen an die Aussatgeräte gestellt, die aber anscheinend nicht gegriefen haben.

Bei der Untersuchung der Proben wurden auch Wirkstoffe gefunden, die keine Zulassung im landwirtschaftlichen Pflanzenschutz besitzen. Auch wurden Wirkstoffe in den Proben gefunden, die nur in Kulturen eingesetzt werden dürfen, die nicht von den untersuchten Bienen beflogen wurden.

Diese beiden Ergebnisse müßen die Frage erlauben, ob manche Anwender die Vorschriften im Bereich des Pflanzenschutzes nicht ausrreichend beachten. Sollte dies so sein, ist dies nicht nur für die Imkerei, sondern auch für alle Lebensmittelproduzenten, die Natur, und das Grundwasser nicht aktzeptabel.

Für mich selbst, da ich auch gelernte Landwirt bin ist dies einer der erschreckensten Punkte in den bisherigen Ergebnissen des Bienenmonitorings. Wird man doch während seiner Ausbildung im Bereich Pflanzenschutz gut geschult und enthält auch jeder Verpackung eines Pflanzenschutzmittels genau Anweisung über dessen Dosierung, Anwendung und Mischung mit anderen Mitteln. Den Punkt der Unwissenheit kann hier keiner für sich geltend machen.

Der landwirtschaftliche Pflanzenschutz muß in Zukunft sicher, zusammen mit der Varroamilbe im Auge behalten werden. Die Probleme bei der Anwendung der Pflanzenschutzmittel dürfen aber in keinstem Falle dahin führen auf genetisch veränderte Pflanzen zu setzen. Deren Wirkung auf die Natur  ist noch weit weniger erforscht als die momentanen Pflanzenschutzmittel. So werden z.B. noch heute bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln die Wirkungen von Kombination nicht gefordert.

Erfreulich ist, dass vom CVUA (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt) in Stuttgart in 122 untersuchten Honigen keine Überschreitung der Höchstmengen bei Pestiziden. Nach festlegen einer Untersuchungsspektrumes waren bei 27% der Proben keine Rückstände nachweisbar. Die genauen Ergebnisse finden Sie hier.

Oxalsäurebehandlung

Im Winter stellt die Bienenkönigin nach den ersten Frösten die Stiftablage ein. Da von der Stiftablage bis zum schlüpfen der Bienen 3 Wochen vergehen, finden wir Imker meist Mitte Dezember die brutfreie Bienenvölker vor. Dies ist die einzigste Zeit im Jahr in dem die Bienenvölker keine Brut pflegen. Diesen ´Zeitpunkt nutzen wir um eine Behandlung gegen die Varroamilbe durchzuführen. Die Milbe wurde aus Asien eingeschleppt und hat mittlerweile nahezu alle Bienenvölker in Europa befallen. Eine Behandlung ist zwingend erforderlich, da ansonsten die Bienenvölker schnell verenden. Die Behandlung erfolgt bei uns mit Oxalsäure, welche auch in geringen Konzentrationen in Lebensmitteln vorhanden ist. Die Oxalsäure ist in biologisch wirtschaftenden Imkereien zugelassen.

Ab der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger werden, können die Bienen wieder mit brüten beginnen. Aus diesem Grund ist eine Behandlung vor dem 22.12. sinnvoll, denn vorhandene Brut senkt den Wirkungsgrad der Behandlung.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch zum ersten Mal seit September einen Blick in die Völker geworden. Bis jetzt leben noch alle. Das lässt schon einmal auf das Frühjahr hoffen.

Die Varroamilbe

Die Varroa-Milbe kam Anfang der 1980er Jahre mit der Asiatischen Honigbiene nach Europa. Die Milbe ist bei Bienen vergleichbar mit einem Blutegel beim Menschen. Jedoch zerstört die Varroa-Milbe ihren Wirt und führt zum Niedergang ganzer Bienenvölker und der Abnahme der Wildbienen. Varroa-Milben finden sich in nahezu allen Völkern und erfordern eine Behandlung im Herbst/ Winter, da sonst die Völker zu sehr geschwächt werden.